Hommage an Francesco Puccioni

Posted by eezyB on November 25th, 2011

Das waren noch Zeiten…
Ich glaube, es war das letzte Mal, dass ich mit meinen Eltern in den Ferien war. Damals, im Juli 1982. An der italienischen Adria. Als Sandro Pertini, damaliger Staatspräsident Italiens, Tardellis 2:0 gegen Deutschland im Fussball-WM-Final bejubelte.

Tanzen, ohne sich zu bewegen
Unvergesslich waren die Szenen damals für mich. Noch heute denke ich gelegentlich an jene Szenen nach dem Spiel, als die Carabinieri dem Massenstrom auf den Strassen nicht mehr Herr wurden und kurzerhand selbst mitfuhren. Eine gute halbe Stunde benötigten wir, um besagte Strasse zu überqueren. Unvergesslich. Das war damals der Startpunkt für unsere Italophilie. Was liebten wir die Nonchalance der Italiener, das gute Essen und das Dolce Far Niente. Damals war das Leben in Italien noch in Ordnung. In den kommenden Jahren kam ich immer wieder zurück. Allein, ohne Eltern. Es kam die Zeit der «Italo Disco». In der Nobeldiscothek Mr. Charlie (sogar auf facebook) tanzten wir Nacht für Nacht ab (Mr. Charlie scheint es also tatsächlich immer noch zu geben…). Obwohl… tanzen konnte man dem wohl kaum sagen. Zumindest aus heutiger Sicht nicht. Es war eher so etwas wie hochgradig cooles Hüfte bewegen, ohne ins Schwitzen zu kommen. Falls möglich mit einer Hand in der Hosentasche. Das wirkte noch cooler und unnahbarer.

«Self Control» von Raf hörten wir uns Tag und Nacht an.  Gazebos «I Like Chopin» lief pausenlos. Righeiras «Vamos A La Playa» dröhnte aus jedem Äther.

Die meisten gingen, einige blieben, einer bleibt unvergesslich
Aber ob Baltimora, Koto oder Martinelli. Ob P. Lion, Valerie Dore oder Raggio Di Luna. Alle kamen sie und gingen wieder. Die meisten von ihnen – das hat sich seither nicht geändert – waren Eintagesfliegen. Ein grosser Sommerhit, danach verblasste der Name wieder. Ein Name allerdings blieb. Viele Jahre. Francesco Puccioni. Fragt sich jetzt jemand: «Hä? Francesco Puccioni, wer ist denn das?» Korrekt… den kannte wohl kaum jemand. Aber Paul Mazzolini kannte auch kein Mensch (Gazebo). Gianni Laszlo Coraini war wohl auch den Wenigsten ein Begriff (Ken Laszlo). Und Fabio Roscioli kannten wohl die meisten auch bloss, weil er sich Ryan Paris nannte. Und Francesco Puccioni nutzte auch einen Künstlernamen. Mike Francis. Nicht zu Unrecht wurde er zu einem der erfolgreichsten Musiker Italiens. Unvergesslich sei erster Hit Survivor.

Viele weitere Hits folgten. «Friends», «Let Me In», «Lovely Day» oder «Message In The Eyes». Die bekannten House- und Chillout-Produzenten «Blank & Jones» schafften es 2005, Mike Francis von einer längeren Schaffenspause zu erlösen und wieder vor das Mikrofon zu locken. Piet Blank und Jaspa Jones waren alte Bewunderer Puccionis aus den 1980er-Jahren. Und was entstand, das liess sich sehen. Auf der «Relax-Serie» von «Blank & Jones» entstanden viele wunderschöne Songs mit Mike Francis’ Stimme. Teils als Remixe alter Nummern, aber auch mit zahlreichen Neueinspielungen. Leider verstarb Francesco Puccioni Ende Januar 2009 an Lungenkrebs. Mit 47 Jahren viel zu früh. Traurig deshalb, dass «Relax 4» im April 2009 und «Relax 5» im Juli 2010 bereits posthum herauskamen. Mike Francis letztes Projekt «Mystic Diversions» «Angel Soul» vermochte er nicht mehr fertigzustellen. Sein Bruder Mario brachte es im Herbst 2010 heraus. Es bleibt sein letztes eigenständiges Album. Mit Ausnahme der Anthologie, die kürzlich herauskam.

Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, für den grossen Künstler ein Memorial-Benefiz-Konzert zu veranstalten. Mit grossen zeitgenössischen Musikern als Gäste. Die technischen Möglichkeiten liessen es problemlos zu, mit Mike Francis auf der Bühne Duette zu singen. Man stelle sich vor, sein Song «Room In Your Heart» als Abschluss des Abends. Mike Francis, gross im Hintergrund. Auf der Leinwand. Mit der Lead-Stimme. Einfach schön!

R.I.P. Mike Francis! We Miss You!

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